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Hilfszug - Weiterentwicklung ab 1980

Ein Beitrag des DRK der DDR zum internationalen UNO-Jahr der Behinderten 1981


Der Hilfszug des DRK der DDR erfüllt einen besonderen Auftrag

Die Technik und Ausstattung des DRK-Hilfzuges wurde vielseitig genutzt. Die Erfüllung von unterschiedlichsten Aufträgen war immer zugleich eine Weiterentwicklung der Fähigkeiten der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und jede neue Aufgabe war eine Herausforderung, der sich die Kameradinnen und Kameraden mit hoher Einsatzbereitschaft stellten.

Es wurden Einsätze im Rahmen von Großveranstaltungen wie zentrale Jugendtreffen, Sportfeste, Freundschaftstreffen aber auch spezielle Kücheneinsätze zur Sicherung der Arbeiterversorgung in Industriebetrieben durchgeführt, wenn zum Beispiel die betriebseigenen Versorgungseinrichtungen renoviert wurden, die Versorgung der Belegschaft aber sichergestellt werden musste.

Bei den Einsätzen zu den Sportfesten des DTSB der DDR konnten unsere Küchengruppe ganze Versorgungsstützpunkte für tausende Sportler und Teilnehmer übernehmen und über einen mehrtägigen Einsatz kompetent versorgen.

Die Med.-Gruppe sicherte die Veranstaltungen im Stadion von Leipzig oder bei den Aufmärschen der Sportler und Teilnehmer in der Innenstadt unter Nutzung der mobilen OP-Technik und medizinischen Versorgungseinrichtungen (Falt-Container) zur Erstversorgung von Patienten ab. Aber nicht nur solche Großveranstaltungen waren Einsatzaufträge. Die Durchführung von Transporten von Hilfsgütern im Inland und in das betroffene Ausland, Nutzung der Technik für Blutspendeaktionen oder auch ein Einsatz einer Feldküche bei einem Jahresfest einer Kleingartensparte wurde von unseren Kameraden mit großer Einsatzbereitschaft erfüllt.

1980 - wir hatten gerade einen Einsatz im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) erfüllt und 250 Mitgliedern des Jugendrotkreuzes aus mehreren Bezirken der DDR, die als Gesundheitshelfer anlässlich der V. Freundschaftstreffen eingesetzt waren, über mehrere Tage in einem Zeltlager Unterkunft und Verpflegung geboten. Die Teilnehmer waren wieder abgereist und wir gestatten uns an diesem Abend etwas Ruhe nach der tagelangen Anspannung und trafen uns zum “Feierabendbier“ in der Küchenecke. Der Vizepräsident des DRK der DDR, OMR Dr. med. Hagemoser, nutzte solche Augenblicke, um auch den haupt- und ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden des Hilfszuges für ihre Arbeit zu danken, den erfüllten Auftrag auszuwerten und neue Aufgaben oder Entwicklungsziele zu beraten.

Bei diesem kameradschaftlich lockeren Gespräch erteilte Kamerad Dr. Hagemoser einen neuen Auftrag, der zu einem mehrjährig wiederholenden Großeinsatz mit einer besonders schweren und menschlich wertvollen Aufgabe für den DRK-Hilfszug werden sollte.

Als Beitrag des DRK der DDR zum von der UNO-Generalversammlung für 1981 ausgerufenen Internationalen Jahr der Behinderten sollte ein Ferienlager für körperbehinderte Kinder und Jugendliche durchgeführt werden.

Kamerad OMR Dr. Hagemoser erklärte, dass die künftigen Teilnehmer durch Krankheit oder Unfällen meist an den Rollstuhl gebunden sind und überwiegend das ganze Jahr über in Versorgungseinrichtungen des Gesundheitswesen leben. Körperbehinderte Kinder und Jugendliche? Keiner von uns hatte Erfahrung in der Arbeit mit Behinderten! Ein Auftrag mit völlig neuen Niveau warf Fragen auf, die bald beantwortet werden mussten, wie:
Die Planung, Vorbereitung und Einsatzleitung während der Durchführung wurde mir in Zusammenarbeit mit allen Kameraden des DRK – Hilfszuges übertragen.

Hauptprobleme, die in Vorbereitung mit Behörden und Dienststellen gelöst werden mussten:
Diese Fragen konnten mit persönlicher Unterstützung des Vizepräsidenten des DRK der DDR, Kamerad OMR Dr. Hagemoser, alle gelöst werden.

Unser Hauptproblem: Wir hatten keine geeignete Toilettenanlage für Behinderte! Zur Erinnerung: Ich berichte über eine Einsatzaufgabe im Jahr 1981 in der DDR. Es gab zu diesem Zeitpunkt keine mobile Toilettenanlage, die für Rollstuhlfahrer geeignet war! Es musste ein Toilettenwagen geschaffen werden, den Rollstuhlfahrer problemlos nutzen konnten. Eine kleine Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) in der Nähe von Mirow (Mecklenburg) baute zu diesem Zeitpunkt Bauwagen für die Bauleute des "Zentralen Jugendobjekt Erdgastrasse" (UdSSR – DDR), die sollte helfen. Die staatlichen Genehmigungen für diese zusätzliche Aufgabe klärte wieder der Kamerad OMR Dr. Hagemoser, die Gespräche mit den Mitgliedern der PGH wurden in einer "verlängerten Frühstückspause" von mir geführt mit dem Ergebnis, dass die Kollegen den Wagen zusätzlich zum Plan, ggf. in Sonderschichten an Wocheneden bauen wollten.

Um unseren Wünschen gerecht zu werden, mussten die staatliche GAB- Vorschriften (Gesundheits-, Arbeits- und Brandvorschriften) ergänzt werden, denn wir brauchten einen Toilettenwagen, der zwei Zugänge an den Stirnseiten des Wagens hat, es mussten entsprechende Auffahrrampen ansetzbar sein, die Türen mussten mindestens 90 cm breit sein (nicht 70 cm wie bisher genehmigt) damit ein kleiner Rollstuhl durchfahren kann, möglichst aber sogar 120 cm, dass auch Elektrorollstühle durch passten. Die Toilette selbst muss sichtgeschützt sein. Die Bremsanlage des Hängers musste für den normalen Straßenverkehr zugelassen sein. Die Mitarbeiter der PGH schafften alles! Danke!

Drei Tage vor Beginn des Lagereinsatzes konnten wir den ersten für Rollstuhlfahrer geeigneten Toilettenwagen abholen! Die andere Technik wie Küchen, Duschanlage, medizinische Stationen (mobile Faltcontainer), Zelte, Ausstattung mit Betten, Wäsche und Decken, Nachrichtentechnik, Material der Krankenpflege, Filmvorführwagen und die Transporttechnik einschließlich Wasserwagen und Notstromaggregaten waren im Hilfszug des DRK der DDR verfügbar und einsatzbereit.

Die personelle Sicherstellung erfolgte in der Durchführungsphase durch zwei qualifizierte Pädagoginnen, einem Vertreter des Jugendverbandes der DDR (gemeinsame Lagerleitung), zwanzig Schwesternschülerinnen, zweites Ausbildungsjahr der Medizinischen Fachschule des Bezirkskrankenhauses Karl-Marx-Stadt, die diesen Einsatz als Berufspraktikum absolvierten, einer Krankenschwester (Mitarbeiterin des DRK – Magdeburg), einer Gruppe des Jugendrotkreuzes des DRK Leipzig-Süd, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter/Inen des DRK-Hilfszuges. Eine Gruppe Schüler (alle "Junger Sanitäter") und Mitglieder des Jugendrotkreuzes die mit den behinderten Kindern und Jugendlichen als Teilnehmer eingeladen wurden.

Mit diesen sicher sehr umfangreichen Ausführungen wollte ich dem interessierten Leser nur andeutungsweise die Probleme eines solchen Einsatzauftrages verdeutlichen. Die folgenden Bilder mögen einen Überblick über das erste Ferienlager des DRK der DDR für körperbehinderte Kinder und Jugendliche im Rahmen eines Zeltlagers belegen.


Die hier dargestellten Werke sind gem. § 2 UrhG rechtlich geschützt.
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Die Transporttechnik ist beladen und fertig zum Abmarsch.

Quelle: Raimund Schliebs

Die Anfahrt erfolgte in kleinen Gruppen...

Quelle: Raimund Schliebs

...denn die gesamte Anfahrtsstrecke ging über eine stark frequentierte Landstraße...

Quelle: Raimund Schliebs

...eine KFZ-Kolonne wäre da ein besonders Verkehrshindernis.

Quelle: Raimund Schliebs

Einsatzziel erreicht.

Quelle: Raimund Schliebs

Der Platz war vom Regen aber noch so aufgeweicht, dass unsere LKWs sich fest fuhren. Ein Traktor musste helfen.

Quelle: Raimund Schliebs

Die Fahrzeuge wurden geparkt, bis das Material zum Lageraufbau gebraucht wurde.

Quelle: Raimund Schliebs

Der neue Toilettenwagen mit Rampen. Für Rollstuhlfahrer geeignet.

Quelle: Raimund Schliebs

Das Toilettenbecken war so positioniert, dass ein Rollstuhl daneben passte und ein Helfer ggf. hinter das Becken treten konnte. Zu beachten: Zwei Spiegel in unterschiedlicher Höhe angebracht. Die Vorhänge dienten als Sichtschutz.

Quelle: Raimund Schliebs

Beim Lageraufbau halfen die Mitglieder des DRK­Jugendzuges Leipzig-Süd mit.

Quelle: Raimund Schliebs

Ein Gewitter sorgte dafür, dass die Zeltinnenhäute nass wurden und erst wieder getrocknet werden mussten...

Quelle: Raimund Schliebs

Kdn. Marianne H. (unsere ehrenamtliche Köchin) prüft als Hausfrau, ob alles wieder eingesetzt werden konnte.

Quelle: Raimund Schliebs

So ein Einsatz ist stressig, da tut eine Ruhepause Wunder

Quelle: Raimund Schliebs

Es ist soweit, die Teilnehmer treffen ein und erkunden das Lager.

Quelle: Raimund Schliebs

Unter dem Symbol des UNO-Jahres für Behinderte erreichen die meisten Teilnehmer in Begleitung von DRK-Transporteuren das Lager.

Quelle: Raimund Schliebs

Auch Eltern begleiten die Anreise von einzelnen Teilnehmern und besichtigen das Lager.

Quelle: Raimund Schliebs

Die feierliche Eröffnung des ersten Ferienlager des DRK der DDR für körperbehinderte Kinder und Jugendliche in der DDR.

Quelle: Raimund Schliebs

Ein Zeltlager mit allen technischen Möglichkeiten, die der Hilfszug des DRK bieten konnte.

Quelle: Raimund Schliebs

Die als Betreuer eingesetzten Krankenschwesternschülerinnen erfüllten ihre Aufgabe mit Begeisterung und fachlicher Einsatzfreude:

Quelle: Raimund Schliebs

Im Lager gab es jederzeit eine intensive Beschäftigung.

Quelle: Raimund Schliebs



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